Feldwissen

Standpunkt

Framing – Die instrumentalisierte Psychologie

20. Februar 2019 | Standpunkt

Die Framing-Debatte um das Papier der ARD ist äußert spannend. Framing als Rahmung im Sinne des Vorgebens von Deutungsmustern, gibt es in einigen psychologischen Methoden. Schematheorie und Neuro-Linguistisches-Programmieren sind nur einige Beispiele. Das vorliegende Gutachten für die ARD empfiehlt den Vertretern der ARD hier ganz bestimmte Sprachformeln. „Entgegen dem gängigen Mythos entscheidet der Mensch sich nicht ‚rein ratio­nal’ und aufgrund einer ‚objektiven’ Abwägung von Fakten für oder gegen Din­ge, denn objektives, faktenbegründetes und rationales Denken gibt es nicht, zumindest nicht in der Form, in der es der Aufklärungsgedanke suggeriert. Je­des Verarbeiten von Fakten findet innerhalb von Frames statt – und ein und derselbe Fakt erlangt in unterschiedlichen Frames ganz unterschiedliche und oft sogar gegensätzliche Bedeutungen“ (S. 14). Das Gutachten empfiehlt, die Begriffe der Gegenseite nicht aufzugreifen, weil das Gehirn keine Negation verstehe. Hebbian Learning wird erwähnt, was eine bekanntes Lernprinzip, nämlich das der Wiederholung von Lernprozessen darstellt. Das Hebb’sche Gesetz lautet Neurons that fire together, wire together. So werden Gewohnheitsmuster aufgebaut, konditioniert, hätte man früher gesagt. Gleichzeitig wird die Erkenntnis genutzt, dass man Gefühle erzeugen soll. Und das soll vor allem mit moralischen Urteilen geschehen. Man soll sich nicht auf Fakten beziehen, sondern moralische Urteile fällen. Was mich daran stört, das Psychologie hier instrumentalisiert, in merkwürdiger Form gesehen (Hauptwirkung durch moralische Urteile) und als einziger Zugang gewählt wird. Das Gutachten ist interessant, aber eben nicht interdisziplinär, sondern rein von einer einseitigen psychologischen Perspektive heraus verfasst. Das Deutungsmuster der Ökonomie fehlt. Die Gutachterin deckt die Mechanismen der Gegner auf. Es hat den Anschein, dass die eher frühkindlich anmutenden Reaktionen für Erwachsene verallgemeinert werden. Man fühlt sich etwas an Gehirnwäsche erinnert. Man kann allerdings ebenso aus ökonomischer Perspektive auf die Bereitstellung von Gütern schauen. Und da stellt sich schon die Frage, ob es wirklich ein sinnvolles Frame ist, die öffentlich-rechtlichen Medien nicht im Wettbewerb mit anderen zu sehen, sondern als etwas, das wir alle selber sind. Dieser Identifikationsversuch wirkt etwas unbeholfen. Ich glaube, das der guten deutschen Institution der öffentlich-rechtlichen Medien kein guter Dienst erwiesen wird. Das Papier wurde auf Netzpolitik.org veröffentlicht. https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/02/framing_gutachten_ard.pdf

Literatur: Mohr, G. (2015): Systematische Wirtschaftsanalyse, Die Psycho-Logik der Wirtschaft: Mensch und Ökonomie in Einklang bringen, Bergisch-Gladbach: Edition Humanistische Psychologie.

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