„Jeder Jeck is anders.“ 

Enneagramm im Coaching „Jeder Jeck is anders.“ Diese rheinische Lebensweisheit bedeutet, dass jeder Mensch seine Eigenart besitzt. Persönlichkeitspsychologische Modelle sind Erklärungen dafür, wie es kommt, dass  man sich mit einem anderen auf einer Wellenlänge fühlt oder dass ein anderer einem grundsätzlich fremd vorkommt. Ein Beispiel für ein Modell, das die wiederkehrenden inhaltlichen Fragen eines Menschen beschreibt, ist das Enneagramm, zu deutsch Neun-Typen-Modell. Es stellt neun verschiedene Skripttypen vor. Es hat eine lange Geschichte und soll ursprünglich schon bei den Babyloniern vor 2500 Jahren bekannt gewesen, dann in mündlicher Überlieferung über die Jahrhunderte weitergegeben worden. Nach Wanderung durch die Kontinente wurde es in den 60er Jahren, einer Blütezeit psychologischer Ideen, von Jesuiten aus Südamerikas nach Kalifornien gebracht. Erst zu dem Zeitpunkt begannen Menschen, darüber zu schreiben.  

Das Interessante daran ist, dass sich die uralte mündliche Überlieferung sehr gut mit modernen Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie verträgt. Das Enneagramm („Neun-Eck“) unterscheidet neun Persönlichkeitstypen, die unterschiedliche Aufmerksamkeitsmuster, innerpsychologische Dynamiken und Verhaltensweisen auszeichnen. 

Jede Typisierung von Persönlichkeiten hat Vorteile und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass sie andere besser verstehen lässt. Das wohlbegründete Anderssein der Mitmenschen wird verständlicher. Ebenso kann eine Persönlichkeitstheorie deutlicher machen, wie einzelne Punkte der eigenen Erfahrung miteinander zusammenhängen. Man erhält dadurch Anhaltspunkte für die eigene persönliche Entwicklungsrichtung. Aber Typologien wird oft Schablonen-Denken vorgeworfen. Wer will schon gerne in eine Schublade gehören? Hier bietet das Enneagramm durch seine neun Grundtypen allerdings eine relativ breite Basis. Im einzelnen Enneagramm-Typ muss man allerdings keine feste und rigide Einstufung sehen. Aus systemischer Sicht kann man darin durchaus auch ein Muster sehen, dass von einzelnen Menschen zeitweise in der Beziehung zur Welt und den anderen produziert wird. 

Das Enneagramm wird in einem Kreis mit neun Punkten auf der Außenlinie dargestellt. An dieser Stelle kann das Enneagramm nur in den Grundzügen dargestellt werden. Wer sich weitergehend mit der Thematik beschäftigen will, kann in Deutschland bei Jürgen Gündel und Arleen Moore in Mannheim etwas über das Enneagramm lernen. Die folgende Übersicht fasst Gedanken unterschiedlicher Autoren zusammen. Nach einem Typ-Label, einer  Überschrift für den einzelnen Persönlichkeitstyp, folgt das Grundthema, wie es der amerikanische Psychologe Ricardo Riso (1989) sieht. Was ist das „Motto“ im Leben, das in unterschiedlichen Lebenssituationen wiederkehrt. Vom gleichen Autor stammt auch die Benennung des wesentlichen Problembereiches. Die aus dem kirchlichen Umfeld stammenden Richard Rohr und Andreas Ebert (1994) steuern Ideen zur Falle der einzelnen Wesensart bei. Die Falle ist der Bereich, in dem sich der jeweilige Persönlichkeitstyp verlieren kann. Das heißt, in bestimmten Stress-Situationen reduziert dieser Typ seine Wahrnehmung auf ein . Außerdem ist die Arbeit der amerikanischen Psychologieprofessorin Helen Palmer berücksichtigt. Im folgenden wird also  jeder Enneagramm-Typ kurz in einigen Aspekten angedeutet: 

     • der „Typenbezeichnung“, einer Überschrift zum Persönlichkeitstyp bzw. -muster, 

• einer kurze Charakterisierung der innerpsychologischen Triebfeder eines Typs,

• eine Beschreibung eines wesentlichen wiederkehrenden Themas,

• eine Beschreibung des thematischen Spannungsfeldes, das ein bestimmter Typ bewältig,

• der Stärken eines Typs,

• dem Lebensaspekt, dem ein Typ zu sehr anzuhaften droht, hier Falle genannt.

Sie können anhand der folgenden Auflistung prüfen, wo Sie sich wiederfinden oder für sich Parallelen sehen. 

Typ 1: der Reformer, der Perfektionist

• Er möchte gerecht sein, strebt nach Höherem und will die anderen bessern, möchte unangetastet über jeder Kritik stehen. Er will Dinge mehr als 100prozentig erledigen.  

• Sein Thema ist Perfektionsstreben und er hat allem gegenüber eine kritische Grundhaltung.

• Entwickelte Einser können kritisch-scharfsinnig und moralische Helden sein.

• Stärken: Fähigkeit, sich realitätsbezogen mit der Umgebung auseinander zu setzen; gewissenhaft und lässt sich von ethischen Prinzipien leiten

• Die Falle ist Empfindlichkeit.

Typ 2: der Helfer, der Geber

• Er möchte geliebt werden, möchte seine Gefühle für andere zum Ausdruck bringen, will andere dazu bringen, auf ihn zu reagieren. Er glaubt zu wissen, was andere Menschen brauchen. 

• Sein Thema ist Hilfsbereitschaft, aber auch Einengung anderer.

• Entwickelte Zweier sind wirklich kümmernde und unterstützende Personen.

• Die Stärken sind: grundsätzliche Offenheit, positive Einstellung gegenüber den Gefühlen anderer; aufmerksam, einfühlend, hilfsbereit und liebevoll.

• Es gibt Probleme mit Feindseligkeit und Identität. Die Falle ist Gefälligkeit und Schmeichelei.

Typ 3: der Dynamiker, der Macher

• Er sucht Bestätigung, möchte sich von anderen unterscheiden, Aufmerksamkeit und Bewunderung erlangen und andere beeinflussen. Er „tanzt“ dafür gleichzeitig auf vielen Hochzeiten und kann sich auf unterschiedliche Menschen gut einstellen. 

• Sein Thema ist Anpassungsfähigkeit an andere, aber auch Manipulation.

• Entwickelte Dreier können effektive Führer, gute „Verpacker“, kompetente Förderer anderer Menschen sein.

• Seine Stärken: Fähigkeit, sich anderen anzupassen; Charme.

• Es gibt Probleme mit Feindseligkeit und Narzissmus. Die Falle ist Eitelkeit.

Typ 4: der Besondere, der tragische Romantiker

• Er möchte sich selbst verstehen, sich im Schönen ausdrücken, sich zurückziehen, um seine Gefühle zu schützen, bevor er sich anderen zuwendet. Er möchte etwas Besonderes sein. 

• Sein Thema ist emotionale Tiefe, aber auch stetige Suche.

• Entwickelte Vierer sind der Schönheit und dem leidenschaftlichen Leben verpflichtet.

• Seine Stärke ist intuitive Selbsterkenntnis. Durch seine Mitteilsamkeit und Offenheit eröffnet er anderen den Zugang zu ihrer Gefühlswelt.

• Es gibt Probleme mit der Identität; Probleme mit Feindseligkeit und Verzweiflung: Die Falle ist Schwermut.

Typ 5: der Beobachter, der Denker

• Er möchte seine Umgebung verstehen, Wissen ansammeln, alles interpretieren, um sich gegen die Bedrohungen aus der Umwelt zu schützen. Er zieht sich gerne zurück. 

• Sein Thema ist Kenntnisreichtum, aber auch Distanz zu anderen.

• Entwickelte Fünfer können gut Entscheidungen treffen

• Seine Stärken sind starke Wahrnehmungsfähigkeit, umfassende Kenntnis über einen bestimmten Bereich seiner Umwelt.  Er findet originelle und brillante Lösungen.

• Es gibt Probleme mit seinem Sicherheitsbedürfniss und Angstgefühlen, mit Distanziertheit und Paranoia. Die Falle ist Geiz.

Typ 6: der Loyale, der Advokat des Teufels

• Er möchte Sicherheit, will von anderen bestätigt werden, stellt die anderen auf die Probe, was ihre Einstellung ihm gegenüber anbelangt, kämpft gegen Angst und Unsicherheit. 

• Sein Thema ist Loyalität, aber auch Rebellion.

• Entwickelte Sechser können großartige Mannschaftsspieler sein.

• Seine Stärken: Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten: loyaler, treuer Freund.

• Es gibt Probleme mit Angst und Unsicherheit. Die Falle ist Feigheit. 

Typ 7: der Genießer, der Vielseitige, der Epikureer

• Er möchte glücklich sein, Spaß haben und sich amüsieren, möchte viel zu tun haben, um der Angst zu entfliehen. Problemen weicht er gerne aus.

• Seine Themen sind Flexibilität und Oberflächlichkeit.

• Entwickelte Siebener können Dinge zusammenführen. Sie sind gute Theoretiker. 

• Die Stärken sind: Vielfältigkeit und die  ausgeprägte Fähigkeit, vieles hervorragend und hingebungsvoll zu tun.  Er widmet sich erfolgreich seinen vielfältigen Aktivitäten.

• Es gibt Probleme mit Angst und Unsicherheit, mit Gelüsten und Aggressionen. Die Falle ist Oberflächlichkeit.

Typ 8: der Boss, die Führer:in

• Er möchte unabhängig sein und im eigenen Interesse handeln, die Umwelt beeinflussen und über andere herrschen.

• Sein Thema ist   Kraft, aber auch unmoralische Durchsetzung.

• Entwickelte Achter sind vorzügliche Anführer, vor allem in der Rolle des Gegners, können sie kraftvolle Unterstützer für andere Menschen sein, wollen es sicher machen für ihre Freunde.

• Seine Stärke ist ein ungebrochenes Selbstwertgefühl. Er fühlt sich stärker als alle anderen. Sein Selbstvertrauen und seine Führungsqualitäten können andere begeistern und mitreißen

• Es gibt Probleme mit Aggression und Repression. Die Falle ist Rücksichtslosigkeit.

Typ 9: die Friedliebende, die Vermittler:in

• Er sucht das Einssein mit den anderen, möchte Konflikten und Spannungen sowie unangenehmen Dingen aus dem Weg gehen, will Frieden um jeden Preis.

• Seine Themen ist Vermittlung, aber auch Trägheit.

• Entwickelte Neuner eignen sich als Friedensschaffer, Berater, Verhandler. Sie leisten viel, wenn sie sich einmal entschieden haben

• Seine Stärken: Sie besitzen einen starken Optimismus und die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen und Ideen zu identifizieren; sie wirken vertrauensvoll und schaffen eine harmonische Atmosphäre, in der sich jeder wohlfühlt.

• Es gibt Probleme mit Repression und Aggression, mit Bewusstsein und Individualität. Die Falle ist Trägheit und Bequemlichkeit.

Was haben Sie gefunden? Zu Beginn ist es oft so, dass man sich bei zwei bis drei Typen wiederfindet, bei anderen hat man überhaupt „nichts verloren“. Außerdem zweifeln bestimmte Typen wie die 6er sowieso alles erst einmal an. Es können wichtige Themen Ihres Lebens sein. Prüfen Sie es für sich! 

Weiteres im Blog Feldrandwissen: https://mohr-coaching.de/kategorie/blog-feldrandwissen/

Weiterlesen: Mohr, G.: Lebendige Unternehmen führen. Frankfurt: FAZ-Buchverlag. 

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